Startseite Fischgesundheit Süßwasseramöbiose in einer Thüringischen Forellenzucht - ein Fallbericht

amoebioseSüßwasseramöbiose in einer Thüringischen Forellenzucht - ein Fallbericht

Einführung

Seit Anfang März 2008 wurden in einer Thüringischen Forellenzucht, die durch Oberflächenwasser gespeist wird, zunächst in der Speisefischaufzucht und wenig später in der Setzlingsaufzucht Verluste bei Regenbogenforellen (Onchorhynchus mykiss) verzeichnet. Die Fischzuchtanlage wird insgesamt durch 1000 l/s Oberflächenwasser aus der Schleuse gespeist. Unmittelbare Oberlieger sind nicht vorhanden. Die Aufzucht der Brut- bzw. Jungfische bis 20 g erfolgt in einer separaten Quellwasseranlage. In dieser erfolgt Zukauf von Eimaterial im Augenpunkt aus EU zugelassenen Betrieben. Die Setzlinge werden mit 15 bis 20 g in das Setzlingsabteil der Forellenzucht Themar verbracht. Sowohl Setzlingsaufzucht als auch Speisefischproduktion erfolgt in Betonrinnen.

Klinische Erscheinungen und Krankheitsverlauf

Zu Beginn der Erkrankung wurden äußerlich keine Krankheitssymptome beobachtet. Die angehenden Speisefische in den einzelnen Rinnen des Speisefischabteils standen oberflächlich am Zulauf und waren vermehrt schreckhaft. Durch den Besitzer wurde trotz optimaler Bedingungen eine schlechte Transportfähigkeit der Fische beschrieben. Wenig später kamen leicht abgespreizte Kiemendeckel, Kiemenschwellung und marmoriertes Kiemengewebe hinzu. Anfänglich waren die Verluste vernachlässigbar. Im Verlaufe der Erkrankung kam es jedoch zu einem Verlustaufkommen von bis zu 0,5% des Fischbestandes täglich. Insgesamt verendeten im Speisefischbereich zwischen 15 und 20 %, im Setzlingsabteil 10 bis 20% der Fische.

Mikroskopische und Histologische Untersuchung

Die Fische wurden am 4.03.08 zu Beginn des Verlustgeschehens lebend ins Labor gebracht, sodass eine Beurteilung des Kiemengewebes unmittelbar nach dem Töten erfolgen konnte.

diagramm1

Abb.2: Entwicklung von Wassertemperatur und Sauerstoff im Verlustzeitraum

Zur Begutachtung wurde eine 40 bis 100 fache Vergrößerung angewendet. Auffällig war die hochgradige ballonierende Schleimproliferation, die sich brombeerartig darstellte. Entzündungszellen fehlten nahezu vollständig. Ca. 1/3 der Sekundärlamellen war bereits verschmolzen. Sonstige Parasiten oder Bakterien wurden nicht festgestellt. Es wurde der Verdacht Proliferative Gill Disease geäußert, wobei Amöben durch die native Untersuchung nicht eindeutig bestimmt werden konnten. Die Fixierung erfolgte in 10%-igem Formalin. Durch die anschließende Giemsafärbung ließen sich ein mittelgradiger Amöbenbefall nachweisen. Eine weitere Differenzierung erfolgte nicht. 

 

Differentialdiagnostische Untersuchungsergebnisse

Die am Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz durchgeführten umfangreichen differentialdiagnostischen Untersuchungen des Wassers als auch von Fischmaterial erbrachten zum Zeitpunkt der Probenahme keine eindeutige Verlustursache. Jediglich beim Kiemengewebe und Milzparenchym konnte ein mittelgradiges Wachstum von Aeromonas hydrophyla festgestellt werden.

Therapieansätze

Behandlungen PES 2,5 ppm, als auch Wasseroptimierung mit Chlorbädern blieben
ohne Wirkung. Ebenso brachte weder die Verfütterung von mit Sanostim bzw. Knoblauchkonzentrat und mit CTC versetzten Futter Besserung.
Zwischenzeitlich Linderung der Symptomatik wurde durch Wasseraufbereitung mit BAC 50, eine ca. 50%-ige Benzalkomiumchlorid- Lösung. Die Badebehandlung mit 2 bis 2,5 % Kochsalzlösung zeigte nicht den gewünschten Erfolg.
Erst die Behandlung mit bis zu 3%-igen Salzbädern bei einstündiger Einwirkzeit erbrachte deutliche Besserung. Stark vorgeschädigte Fische verendeten bei dieser Form der Behandlung. Bei gleichzeitiger Wassertemperaturerhöhung auf dauerhaft 8-12°C klangen die Verluste deutlich ab.

Diskussion der Untersuchungsergebnisse

Erkrankungen durch Amöben werden in Deutschland vor allem im süddeutschen Raum insbesondere in den Frühjahrsmonaten seltener zu anderen Jahreszeiten beschrieben. Als ursächlicher Vertreter der Proliferativen Gill Disease wird Neoparamoeba pemaquidensis genannt. Im beschriebenen Fall muss davon ausgegangen werden, dass die Kiemeninfektion ursächlich nur durch Amöben hervorgerufen wurde. Andere begünstigende Faktoren konnten ausgeschlossen werden. Auffällig sind die sehr geringen Wassertemperaturen, bei denen die Erkrankung ausbrach.

 

G. Bräuer1, V.Bulla², M. Lichtenecker³,
³ Themar Fischzuchtanlagen GmbH, Steinlache 4, 98660 Themar

1 Sächsische Tierseuchenkasse, Fischgesundheitsdienst, Löwenstraße 7 a, 01099 Dresden
² Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen in Sachsen