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HuhnImpfungen gegen die Newcastle Disease ernst nehmen!

Im Gegensatz zur Klassischen Geflügelpest, die seit 2003 immer wieder durch mehr oder weniger spektakuläre Fälle für negative Schlagzeilen und Verunsicherungen sorgt, ist es um die Newcastle Disease (ND), die sogenannte Atypische Geflügelpest,

ruhig geworden. Das war nicht immer so.

Bis in die frühen 90er Jahre gab es regelmäßig Meldungen von Ausbrüchen der Newcastle Disease – vor allem in Kleinbeständen.

Das Auftreten dieser Seuche wurde dadurch begünstigt, dass eine Impfpflicht erst ab einer Bestandsgröße von 200 Hühnervögeln vorgeschrieben war. Um die Ausbrüche zu reduzieren, wurde die Geflügelpestverordnung überarbeitet und seit 1993 gilt in Deutschland die Impfpflicht für alle Hühnerhaltungen unabhängig von der Tierzahl. Folglich sind jedes Huhn und jede Pute gegen die ND zu impfen, und der Impfschutz ist durch regelmäßige Nachimpfungen zu gewährleisten. Nach der Umsetzung dieser Maßnahmen ging die Zahl der Ausbrüche der Atypischen Geflügelpest stark zurück. Bei den positiven Fällen der letzten Jahre handelte es sich meist um Haltungen mit verschiedenen Geflügelarten und Rassetauben, die nicht oder nur unzureichend geimpft wurden.

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Abbildung 1 Abbildung 2

Tiere, die an der Newcastle Disease erkranken, zeigen Atemnot, wässrig-grünlichen Durchfall und verenden rasch. Bei einem längeren Krankheitsverlauf kommt es zu Störungen des zentralen Nervensystems (Abbildung 1 u. 2). Die Feststellung des Seuchenausbruchs erfolgt über den Virusnachweis.

Es spielt dabei keine Rolle, ob man das Virus aus Hühnern oder Tauben isoliert, da auch die „Paramyxovirose“ der Tauben nach der Geflügelpestverordnung ein Ausbruch der ND ist und Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet werden müssen. Diese vereinzelten Fälle zeigen aber auch, dass das Virus der ND noch immer latent vorhanden ist und alle Hühnerhaltungen konsequent und regelmäßig gegen die ND geimpft werden müssen.

Nach einem Programm der Sächsischen Tierseuchenkasse werden in Sachsen jedes Jahr ausgewählte Bestände auf ihren Impfschutz gegen die ND kontrolliert. Je nach Größe der Herden werden 10 bis 90 Blutproben gezogen (Abbildung 3).

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Abbildung 3

Die Untersuchungen erfolgen durch einen Hämagglutinationshemmungstest (HAH) auf Antikörper gegen ND an der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen. Das Programm umfasst die Untersuchung von Legehennen, Jungmasthühnern und Puten. Die Blutproben vom Mastgeflügel werden meist in den sächsischen Geflügelschlachthöfen und die der Legehennen im Bestand gezogen.

Die Auswahl der Betriebe erfolgt nach einem Verteilungsschlüssel. Die Proben werden durch den Geflügelgesundheitsdienst, amtliche Tierärzte oder von beauftragten Tierärzten gezogen.

Zusätzlich werden noch betriebsspezifische Angaben durch einen speziellen Vorbericht erhoben, der unter anderem den Impfstatus der Tiere erfasst und so eine fachgerechte Beurteilung der Ergebnisse erlaubt.

Im Jahr 2010 wurden 15 Puten- und 20 Jungmasthühnerherden, 49 Wirtschaftsgeflügelbestände und auch 252 Kleinhaltungen bis 100 Hühner untersucht. Insgesamt ergab das eine Summe von 5314 Blutproben aus 336 Herden, die auf ND untersucht wurden (Tab. 1).

Tabelle 1: Serologische Untersuchungen 2010
Bestandsgröße Anzahl Proben LD
Leipzig
LD
Dresden
LD
Chemnitz
Gesamt
Herden / Blutproben
20 - 100 LH 10 49 98 105 252 / 2494
>100 - 2000 LH 30 3 9 6 18 / 540
>2000 - 50000 LH 30 8 8 8 24 / 720
>50000 - 300000 LH 60 2 1 1 4 / 240
>300000 LH 90 1 1 1 3 / 270
Puten 30 8 7 - 15 / 450
Jungmasthühner 30 16 2 2 20 / 600
336 / 5314

Zur Beurteilung des Impfschutzes ist neben der Feststellung, ob Antikörper vorhanden sind, auch die Höhe der Antikörpertiter und deren Verteilung entscheidend. Die Verteilung eines gut geschützten Bestandes stellt sich in einer Grafik mit einer Spitze dar (Abbildung 4). Dagegen zeigen Herden mit schlechtem Impfschutz eine mehrgipflige Verteilung (Abbildung 5).

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Abbildung 4 Abbildung 5

 Zur Ermittlung des Mittelwertes aus den Blutproben eines Betriebes wurden die Antikörpertiter in Logarithmusstufen umgerechnet. Die Wirtschaftsgeflügelbestände hatten alle einen guten Impfschutz (Abb. 6).

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Abbildung 6: Verteilung der Mittelwerte nach Umrechnung der Titerstufen in Logarithmusstufen Abbildung 7: Verteilung der Mittelwerte nach Umrechnung der Titerstufen in Logarithmusstufen

Drei Putenbestände, zwei Jungmasthühnerherden und 37 Kleinhalter hatten keinen oder nur einen unzureichenden Schutz gegen die ND (Abb. 7). Die betroffenen Tierhalter wurden aufgefordert, den Impfschutz ihrer Tiere aufzufrischen. In Einzelfällen wurde vor Ort die Impftechnik überprüft und optimiert. Neben den Haltungen mit geringem Impfschutz kam es bei einigen Betrieben auch zum Nachweis von sehr hohen Antikörpertitern, die allein durch die Impfung nicht zu erklären waren und den Verdacht auf eine Infektion mit Feldvirus vermuten ließen. Auf Anfrage des GGD erklärten die Tierhalter, dass die Herden nicht auffällig waren, was auch aus den betrieblichen Aufzeichnungen, wie Legelisten, ersichtlich war. Es ist anzunehmen, dass die Herden aufgrund des guten Impfschutzes still durchseuchten und keine Erkrankung zeigten.

Um einen ausreichenden Schutz für Ihre Legehennen, Masttiere oder Rassegeflügel zu gewährleisten, empfiehlt der Geflügelgesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse, den gesamten Bestand alle 13 Wochen über das Trinkwasser gegen die ND nachzuimpfen. Die Impfung ist Sache des Tierarztes!

Er hat zu beurteilen, ob die Tiere impffähig sind und ist für die sachgerechte Durchführung der Impfung verantwortlich. Dennoch können Sie durch optimale Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die Impfung erfolgreich ist.

Hierfür sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Sprechen Sie sich mit dem Tierarzt über die Vorbereitungen und den Ablauf der Impfung ab.
  • Lassen Sie die Tiere zwei Stunden vor der Impfung dursten.
    • Stellen Sie das Wasser rechtzeitig ab.
    • Nehmen Sie die Tränken aus dem Stall.
  • Achten Sie darauf, dass die Tränken sauber sind.
    • Nutzen Sie die Zeit, um die Tränken mit klarem Wasser zu reinigen.
    • Vor der Impfung dürfen Sie kein Desinfektionsmittel einsetzen.
  • Sorgen Sie dafür, dass alle Tiere möglichst zeitnah die Impflösung aufnehmen.
    • Der günstigste Termin für die Impfung ist am Morgen.
    • Lassen Sie die Tiere bis nach der Impfung im Stall, dadurch vermeiden Sie auch die Aufnahme von Oberflächenwasser im Auslauf.
    • Stellen Sie ausreichend Tränkplätze zur Verfügung.
  • Ermitteln Sie die benötigte Wassermenge zur Herstellung der Impfstofflösung.
    • Die Wasseraufnahme ist von der Tierart, vom Alter der Tiere und vom Klima abhängig.
    • Die Impfstofflösung muss in zwei Stunden aufgenommen worden sein.
    • Im Zweifelsfall müssen Sie vorher die täglich aufgenommene Wassermenge ausmessen.
  • Setzen Sie der Impfstofflösung stabilisierende Zusätze bei.
    • Die Impfstoffstabilität wird auch durch die Wasserqualität beeinflusst.
    • Die Impfstoffhersteller vertreiben zum Teil spezielle Zusätze, Sie können aber auch fettarme Milch (5 ml pro Liter) beimischen.
  • Sorgen Sie für einen reibungslosen Ablauf der Impfung.
    • Bereiten Sie alles vor, um keine Zeit zu verlieren.
    • Sobald der Impfstoff gelöst wurde nimmt die Aktivität stetig ab.

Sollte beim Zukauf von Hühnern keine Bescheinigung über den Impfstatus der Tiere ausgehändigt werden, ist der aktuelle Impfschutz der Tiere vom Geflügelhändler zu erfragen. Bei Junghennen, die mit Injektionsimpfungen gegen die Newcastle Disease vakziniert wurden, hält der Impfschutz für eine Legeperiode an. Um den Schutz dieser Tiere für einen längeren Zeitraum zu gewährleisten, ist spätestens nach einem Jahr eine erneute Impfung zu veranlassen. Bei Trinkwasserimpfungen ist an die regelmäßige Auffrischung alle 13 Wochen zu denken. Ist der Status beim Zukauf unklar, sollten die Tiere im Zweifelsfall nach einer kurzen Eingewöhnungsphase nachgeimpft werden. Auch Kleinsthalter mit wenigen Hühnern haben die Pflicht, ihre Tiere gegen die Newcastle Disease zu schützen.

Aus ökonomischen Gründen empfehle ich Kleinsthaltern, sich an den nächstgelegenen Rassegeflügelzuchtverein zu wenden und dort anzufragen, wann der nächste Impftermin ist und ob man seine Tiere nicht mitimpfen könnte. Die handelsüblichen Impfstoffabpackungen enthalten immer die Menge für 1000 Tiere, so dass im Regelfall auch für kleinere Haltungen noch genügend Impfstoff vorhanden ist.

Falls es doch einmal zu einem Ausbruch der Atypischen Geflügelpest in Ihrer näheren Umgebung kommt, gibt es nur für ordnungsgemäß geimpfte und bei der Tierseuchenkasse gemeldete Bestände eine Entschädigung. In Sachsen können Geflügelbestände auch online unter www.tsk-sachsen.de gemeldet werden.

Um einen flächendeckenden Schutz vor der Newcastle Disease zu gewährleisten ist es entscheidend, dass jeder Hühnerhalter seiner Impfpflicht gewissenhaft nachkommt. Auch wenn es um die ND ruhig geworden ist, stellt sie noch immer eine latente Bedrohung dar, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

 

Sächsische Tierseuchenkasse
Geflügelgesundheitsdienst
Roland Küblböck
037381/669316
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Bildnachweis:
- Abb. 1 - Intervet
- Abb. 2 - TGD Bayern
- Abb. 3 - Sächsische Tierseuchenkasse