Startseite Geflügelgesundheit Aufstallungspflicht – Verhaltensstörungen vermeiden und gegensteuern!

Aufstallungspflicht – Verhaltensstörungen vermeiden und gegensteuern!

Die landesweite Aufstallungspflicht für sächsisches Geflügel in Freilandhaltung ist eine notwendige Maßnahme, um die Tiere vor einer Infektion mit dem sehr virulenten und hochpathogenen Aviären Influenzavirus (HPAI) H5N8 zu schützen. 

Ein Ende des Seuchengeschehens ist nicht abzusehen, da die Anzahl der tot aufgefundenen virusinfizierten Wildvögel nicht abnimmt. Durch zusätzliche seuchenhygienische Maßnahmen kann ein Eintrag von Geflügelpesterregern nahezu ausgeschlossen werden. Einen Artikel über Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsrisikos finden Sie ebenfalls auf unserer Internetseite.

Die Aufstallung von Tieren, die bisher gewohnt waren, sich regelmäßig oder permanent im Freiland aufzuhalten, stellt für diese eine Störung ihres gewohnten Ablaufs dar, der bei den Tieren Stress hervorrufen kann. Diese veränderte Situation bringt auch für die Betreuung der Tiere neue Probleme mit sich, auf die sich der Tierhalter einstellen muss,

um Aggressivität, Federpicken und Kannibalismus in der Herde zu verhindern.

Die folgenden allgemeinen Tipps sollen als Anregung dienen, die Tiere durch geeignete Maßnahmen zu beschäftigen, um Verhaltensstörungen zu vermeiden, rechtzeitig zu erkennen und im Notfall mit geeigneten Maßnahmen gegensteuern zu können.

1. Präventive Maßnahmen zur Beschäftigung: Tiere, die den Aufenthalt im Freiland gewohnt waren, hatten ein sehr strukturiertes, zur Erkundung nahezu grenzenloses Umfeld, welches von den Tieren individuell genutzt werden konnte. Durch die Aufstallung kommt es zu einer plötzlichen Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Zusätzlich bieten die meist funktional eingerichteten Ställe nur wenige Möglichkeiten, ihrem Erkundungsverhalten nachzugehen. Um eine mögliche Verhaltensstörung aufgrund mangelnder Umgebungsreize zu verhindern, sollte den Tieren Beschäftigungsmaterial angeboten werden.

  • Einstreu: Es muss immer ausreichend Einstreu im Scharraum vorhanden sein, dass die Tiere ihrem natürlichen Verhalten des Scharrens nachgehen können. Als Einstreu empfiehlt sich klein strukturiertes Material, wie Hobelspäne, Dinkelspelzen, gehäckseltes oder gemahlenes Stroh zu verwenden. Das verwendete Einstreumaterial muss vor Wildvögeln sicher gelagert sein, um eine Infektionsgefahr auszuschließen. Es ist darauf zu achten, dass die Einstreu möglichst locker und trocken bleibt. Im Bedarfsfall ist nach zu streuen oder die Einstreu komplett zu wechseln.
  • Sandbad: Um den Tieren die Möglichkeit zum Sandbaden zu geben, kann im Scharraum auch eine Kiste mit Quarzsand aufgestellt werden. Als zusätzlicher Effekt zur Parasitenbekämpfung kann dem Sand noch Silikatstaub (Urgesteinsmehl) eingemischt werden. Das Silikat bleibt nach dem Sandbad im Federkleid und auf der Haut der Tiere haften und verursacht bei Roten Vogelmilben aufgrund seiner kristallinen Struktur eine mechanische Schädigung der Milben, so dass diese absterben. 
  • Picksteine: Bei den Picksteinen handelt es sich um poröse Blöcke, die aus Kalk, Mineralstoffen und Spurenelementen bestehen. Picksteine werden seit einiger Zeit vermehrt in Legehennenhaltungen zur Beschäftigung eingesetzt. Dabei konnte man feststellen, dass die Tiere aufgehängte Picksteine besonders attraktiv finden. Die Mineralstoffe werden von den Tieren als Ergänzung aufgenommen und gleichzeitig wird der spitze Schnabel abgestumpft. Picksteine gibt es in unterschiedlicher Härte. Man sollte zu Beginn einen weicheren Stein wählen. Die Tiere können so leichter Material aus dem Stein picken und werden dadurch an die Picksteine gewöhnt.
  • Strohballen: In den Scharraum können auch Strohballen gestellt werden. Zum einen dienen die Strohballen auch als Beschäftigungsmaterial und zum anderen wird dadurch der Scharraum strukturiert und bietet somit die Möglichkeit, dass einzelne Tiere ruhigere Zonen aufsuchen. Auch hier wieder nur Strohballen verwenden, die so lagern, dass eine Kontamination durch Wildvögeln ausgeschlossen werden kann.
  • Verdauliches Beschäftigungsmaterial: Neben der bedarfsgerechten Fütterung können Sie ihren Tieren auch Grünfutter wie Salat, Futterrüben oder Heu regelmäßig anbieten. Auch hier wäre es wieder günstig, das Grünfutter hängend in Futterkörben oder Heunetzen zu verabreichen. Futterrüben sollten zumindest halbiert werden. Aufgrund der Seuchensituation bitte kein frisches Grün aus den Ausläufen oder der Umgebung verfüttern!
  • Körnerfütterung: Täglich können auch Körner in die Einstreu gestreut werden. Die Tiere sind mit Scharren und Suchen beschäftigt und gleichzeitig wird die Einstreu aufgelockert. Körner können aber auch in einem geschlossenen Eimer angeboten werden, bei dem sich die Tiere die Körner über kleine Bohrlöcher herauspicken müssen.
Pickstein Heunetz Körnereimer
  • Weiteres Beschäftigungsmaterial: Dem Einsatz von weiterem Beschäftigungs-material wie Bälle, aufgehängte Reflektoren, Plastikflaschen sind keine Grenzen gesetzt.

Da man davon ausgehen kann, dass jede Herde in ihrem Verhalten anders ist und sich auch die haltungsspezifischen Bedingungen stark unterscheiden, sollten die zusätzlichen eingesetzten Maßnahmen zur Beschäftigung auf den jeweiligen Einzelfall angepasst werden.

2. Maßnahmen gegen Federpicken oder Kannibalismus:  Sollten die Tiere trotz der Beschäftigungsmöglichkeiten Verhaltensstörungen wie Federpicken oder gar Kannibalismus zeigen, muss die Herde durch geeignete Maßnahmen beruhigt werden.

Federpicken Kannibalismus
  • Licht reduzieren: Als erstes ist die Lichtintensität zu reduzieren. Der Lichteinfall über vorhandene Fenster ist durch Anstreichen mit roter Farbe oder Abkleben mit Folien zu reduzieren. Im Bedarfsfall sind die Fenster komplett abzudunkeln und der Stall wird dann nur durch eine künstliche Lichtquelle so ausgeleuchtet, dass die Tiere sich gerade noch im Stall orientieren können. Auch hier kann die Lampenschale rot angestrichen werden.

            Der direkte Einfall von Sonnenlicht ist in Ställen immer zu vermeiden.

  • Beruhigung der Tiere: Um zu vermeiden, dass sich beginnender Kannibalismus in der Herde weiter ausbreitet, kann sofort Salz über das Trinkwasser zur Beruhigung der Tiere verabreicht werden. Die Salzionen beeinflussen die Reizleitung an den Nervenzellen. Als einfachste und schnellste Variante kann man handelsübliches Speisesalz in einer Dosierung von 1 Gramm pro Liter Trinkwasser einsetzen. Die Salzgabe sollte nicht länger als 4 Tage erfolgen, da das Salz eine abführende Wirkung hat und die Tiere sonst Durchfall bekommen könnten. Die Salzgabe kann nach einer Woche wiederholt werden. Der Einsatz und die längere Gabe von Mineralstoff- oder Aminosäurelösungen wie Tryptophan sind ebenso möglich, sollte aber mit Ihrem Tierarzt abgesprochen werden.
  • Anti-Pick-Spray: Zeigen einzelne Tiere Anzeichen von Federpicken, was sich meist zuerst am Übergang vom Rücken zum Schwanz bemerkbar macht,  können diese Stellen mit einem handelsüblichen „Anti-Pick-Spray“ eingesprüht werden. Das Spray hinterlässt auf den besprühten Stellen einen bitteren Geschmack, so dass die Tiere vom Federpicken ablassen. Bitte darauf achten, dass die Sprays für lebensmittelliefernde Tiere und für Legehennen zugelassen sind.
  • Weiteres Beschäftigungsmaterial: Bei einem restriktiven Einsatz von Beschäftigungsmaterial (siehe oben) kann im akuten Fall von Verhaltensstörungen weiteres Material zur Beschäftigung eingesetzt werden.

Geflügelgesundheitsdienst
Roland Küblböck
Brückenstr. 2
09322 Penig
0351 8060873
0171 4836087