Startseite Pferdegesundheit Das Sommerekzem – welche Pferde bekommen es und wie kann man es lindern?

Das Sommerekzem – welche Pferde bekommen es und wie kann man es lindern?

Ursache des Sommerekzems

Das Sommerekzem ist das Resultat einer allergischen Hautreaktion der Pferde auf den Speichel von bestimmten, blutsaugenden Insektenarten.

Es handelt sich in erster Linie um Stechgnitzen (Culicoides) und Kriebelmücken. Ist die Allergie einmal zum Ausbruch gekommen, reichen wenige Insektenstiche, den Juckreiz als Symptom der Überreaktion des Immunsystems aufrechtzuerhalten.Aber warum tritt diese Allergieform bei einem Pferd auf und bei dem anderen nicht?
 

Begünstigende Faktoren des Sommerekzems

In einer neueren Umfrage fanden Forscher von der Freien Universität Berlin u.a. heraus, dass das durchschnittliche Alter der betroffenen Pferde zu Beginn der Erkrankung bei Hengsten 3,6 Jahre, bei Stuten 4,9 Jahre und bei Wallachen 6,6 Jahre beträgt. Darüber hinaus zeigen Wallache ein signifikant schwereres Krankheitsbild als Hengste und Stuten.

Pferde mit dunklem Fell (Braun, Dunkelbraun, Schwarzbraun, Rappe) waren mit 51 % in der Studienpopulation am häufigsten betroffen, gefolgt von Tieren mit hellem Fell (Schimmel, Falben, Isabell) mit 22 % und Füchsen mit 19 %. Die meisten erkrankten Pferde in der Studie gehörten zur Rasse der Warmblutpferde, gefolgt von Kaltblütern, wobei die Kaltblüter die schwersten Ausprägungen des Sommerekzems zeigten.

Darüber hinaus sind Pferderassen mit Ursprung in Regionen mit geringem oder ohne Gnitzen-Vorkommen (Island, Küstengebiete, Hochgebirge, Wüstengebiete) evolutionsbedingt anfälliger für das Sommerekzem (z.B. Isländer, Friesen).

Die Veranlagung für das Sommerekzem ist genetisch verankert. Es konnte mittlerweile ein Gen identifiziert werden, dessen homozygote Träger ein erhöhtes Risiko für diese Allergie aufweisen. Allerdings gibt es nach Wissen des PGD noch kein Labor, das einen Test zur Identifizierung solcher Trägertiere anbietet. Die Erblichkeit (Heritabilität) des Sommerekzems ist mit rund 0,30 beschrieben, was bedeutet, dass die Veranlagung zu dieser Allergieform zu ca. 30 % genetisch festgelegt ist und zu 70 % Umwelteinflüsse für die Ausprägung der Erkrankung maßgebend sind.

Am besten ist die Vererblichkeit des Sommerekzems bei Islandpferden erforscht. Marion Unkel untersuchte in den Jahren 1982 bis 1985 1.000 Isländer und konnte folgende Vererbungshäufigkeiten ableiten:

Gesunder Hengst x gesunde Stute                                     -->          13,5 % Fohlen mit Sommerekzem

Gesunder Hengst x Sommerekzem-Stute                          -->          21,1 % Fohlen mit Sommerekzem

Sommerekzem-Hengst x gesunde Stute                            -->          17,5 % Fohlen mit Sommerekzem

Sommerekzem-Hengst x Sommerekzem-Stute                 -->          37,5 % Fohlen mit Sommerekzem

Diese Zahlen zeigen, dass die Anpaarung eines an Sommerekzem erkrankten Elterntieres mit einem gesunden Partner die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei den Nachkommen leicht erhöht. Diese Wahrscheinlichkeit steigt allerdings bei der Verpaarung von Elterntieren mit Sommerekzem mehr als deutlich an!

Ähnliche Vererblichkeitsmuster können möglicherweise auch für andere Rassen angenommen werden.

Es wurde in der Studie der FU Berlin auch belegt, dass der Schweregrad der Hauterkrankung von der Insektenbelastung abhängig ist, d.h. je mehr die Pferde gestochen werden, umso deutlicher sind die klinischen Erscheinungen.

Weitere Faktoren, wie Haltung und Fütterung können eine begünstigende Rolle spielen. Haltungen ganztägig und ganzjährig draußen sowie windarme und feuchte Umgebungen fördern das Sommerekzem ebenso wie Weiden auf verbuschtem, waldigem Gelände. In Bezug auf die Fütterung sollte darauf geachtet werden, dass die Pferde nicht übergewichtig sind und ausreichend mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt werden.

Symptome des Sommerekzems

Das unfehlbare Symptom ist der quälende Juckreiz. Durch das damit verbundene Scheuern entstehen zerzauste oder blutig geriebene Mähnenkämme und Schweifrüben. In extremen Fällen sind diese Stellen haarlos und auch die Unterseite des Brustkorbes ist blutig gescheuert. Durch Besiedlung der erkrankten Haut mit Bakterien und Pilzen können diese Stellen auch eitrig und nässend sowie der Juckreiz verstärkt werden. Diese Tiere können unreitbar werden, da sie sich zum einen ständig schütteln, nervös sind und versuchen an allen möglichen Gegenständen zu reiben. Zum anderen ist es unverantwortlich, auf die lädierten Hautpartien einen Sattel oder Sattelgurt aufzubringen.

Oft ist eine Zunahme des Schweregrades der allergischen Reaktion von Jahr zu Jahr zu erkennen.

Diagnostik des Sommerekzems

Anhand der typischen Symptomatik und des saisonalen Auftretens des Sommerekzems bereitet die Diagnostik im Sommer kaum Schwierigkeiten.

Auch Blutuntersuchungen sind möglich. Entweder werden Antikörper im Blutserum gemessen oder verschiedene Botenstoffe nachgewiesen. Die serologischen Tests (Antikörpermessung) sind nur in der insektenaktiven Zeit aussagekräftig. Für die anderen Verfahren gilt dies immerhin noch bis Mitte des Winters. Nachgewiesen wird im positiven Fall die Sensibilisierung des Organismus auf die Allergene. Aber die Sensibilisierung geht nicht zwingend mit einer klinischen Erkrankung einher. Ein nachweislich sensibilisiertes Pferd kann klinisch gesund sein und ein nicht sensibilisiertes Tier kann trotzdem im nächsten Jahr erkranken. Die Aussagekraft ist also relativ gering. Auch kann keinerlei Angabe über die potentielle Vererbung der Veranlagung bei dem sensibilisierten Tier gemacht werden.

Eine nahezu sichere Aussage ist nur möglich, wenn ein erkranktes Tier einen negativen Test aufweist. In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass das derzeitige Krankheitsbild nicht durch eine Allergie auf das getestete Allergen verursacht wird. Allerdings bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel.

 

Vorbeugung und Behandlung des Sommerekzems

Die Gnitzen sind bevorzugt in der Dämmerung, nachts und bei hoher Luftfeuchtigkeit aktiv und meiden Luftbewegung. Während der Hauptflugzeiten der Insekten sollten die Tiere zumindest von März bis November im Stall gehalten werden. Die Box muss dabei dunkel und ohne Öffnung nach außen sein.

Weidegang von 9-16 Uhr ist möglich. Eine Weidehütte bietet ebenfalls Schutz vor Insekten, wobei darauf zu achten ist, dass die Hütte nach allen Seiten geschlossen und die Ein- und Ausgänge mit  Plastikvorhängen versehen sind. Zu bevorzugen sind windige Koppeln. Bei hoher Luftfeuchtigkeit sowie leichtem Regen in Kombination mit Temperaturen über neun Grad Celsius sollte auf Koppelgang verzichtet werden. Weiden in der Nähe von fließenden Gewässern als Brutstätte der Insekten sind zu meiden. Die Insekten können aber durchaus bis zu 10 km weit fliegen.

Wichtig ist zudem, die betroffenen Pferde möglichst vor Stichen der Insekten zu schützen. Dies kann man zum einen durch das Auftragen von Repellentien (Mittel, die die Insekten fernhalten) auf die Haut und zum anderen durch das Tragen von Ekzemerdecken erreichen. Repellentien auf Permethrin-Basis sind in Deutschland für die Anwendung am Pferd zugelassen (z.B. Wellcare Emulsion®). Allerdings ist deren Wirksamkeit nach neueren Untersuchungen in Bezug auf die Prophylaxe des Sommerekzems minimal und sie müssen z.T. täglich aufgetragen werden.

Billiger und „natürlicher“ ist dagegen die Anwendung von speziellen Pferdedecken, die auch den Hals, die Ohren, die Schweifrübe sowie den Bauchbereich bedecken und damit für Insekten unzugänglich machen. Diese Methode ist sehr wirksam. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Decke schon vor Beginn der Insektenplage getragen wird.

Das Auftragen von Ölen und fetthaltigen Lotionen (mineralische Öle, keine Pflanzenöle wegen Zersetzung) bildet einen Fettfilm auf der Haut und verhindert somit mechanisch den Stich. Sie sollten ein- bis zweimal täglich angewendet werden.

Die Insekten werden auch durch den Geruch des Fells nach Kot und Urin angezogen. Deshalb empfiehlt es sich, Pferde mit Sommerekzem von Zeit zu Zeit (aber nicht zu häufig!) mit einem milden Shampoo zu waschen.

Den betroffenen Tieren sollten auch Scheuermöglichkeiten in Form von Bürsten oder Besenköpfen angeboten werden, da diese die Haut weniger schädigen. Infektionen der Haut können mit desinfizierenden und heilenden Salben behandelt werden.

In hartnäckigen Fällen kann eine Behandlung mit entzündungshemmenden und antiallergischen Medikamenten auf Kortisonbasis notwendig werden. Hierbei ist es empfehlenswert, mittels Tabletten die minimale Erhaltungsdosis anzuwenden, um potentielle Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

Elterntiere mit Sommerekzem sollten nicht miteinander verpaart werden. Auch die Verpaarung eines erkrankten Elternteils mit einem unauffälligen sollte insbesondere dann unterbleiben, wenn bekannt ist, dass nahe Verwandte (Großeltern, Eltern, Geschwister, Fohlen) ebenfalls an der Allergie leiden.

Da wie oben beschrieben das Ersterkrankungsalter bei Hengsten und Stuten z.T. deutlich über 3 Jahren liegen kann, sind Körungen bzw. Stuteneintragungen nicht allein dazu geeignet, betroffene Tiere zu erkennen und von der Zucht auszuschließen.

An der Stelle muss an die Verantwortung der Züchter appelliert werden!

 

Literatur:

Gehlen H, Grimm T und Brunner M (2014): Vorkommen, klinische Ausprägung und Behandlung beim Sommerekzem des Pferdes – Ergebnisse einer empirischen Fragebogenstudie in Deutschland (Teil 1). Pferdeheilkunde 30: 263-274.

Sommer-Locher B (2013): Sommerekzem des Pferdes – Ätiologie, Symptomatik, Diagnose, Risikofaktoren, Therapie. Der Praktische Tierarzt 94: 429-432

Unkel M (1987): Das Sommerekzem des Pferdes und die Grundlagen seiner Vererbung. Remscheid: Kierdorf-Verlag.

 

Dr. Uwe Hörügel

Pferdegesundheitsdienst

SÄCHSISCHE TIERSEUCHENKASSE

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