Startseite Pferdegesundheit Sind die Medikamente zur Entwurmung von Fohlen noch ausreichend wirksam?

Sind die Medikamente zur Entwurmung von Fohlen noch ausreichend wirksam?

In Veröffentlichungen wird weltweit über die zunehmend schlechte Wirksamkeit von Medikamenten gegenüber Endoparasiten bei Fohlen berichtet.

Es sind Resistenzen von Spulwürmern gegenüber Ivermectin, Moxidectin und Pyrantel beschrieben. Auch in Sachsen wurde von Pferdepraktikern schon mehrmals der Verdacht auf derartige Resistenzen geäußert. Es gibt nur vier für das Pferd zugelassene Wirkstoffe gegen Rundwürmer und in absehbarer Zeit werden auch keine neuen Wirkstoffe erwartet. Diese Wirkstoffe sind: Pyrantel, Benzimidazol, Ivermectin und Moxidectin.

In den Jahren 2013 und 2014 führte der Pferdgesundheitsdienst (PGD) zwei Projekte zur Einschätzung der Resistenzlage von Endoparasiten bei Fohlen in Sachsen und Thüringen durch. Die Finanzierung der Probenentnahmen sowie der Laboranalysen erfolgte über die Tierseuchenkassen der Bundesländer.

Ziel der Projekte war es, eine Übersicht über die Verbreitung und Resistenzsituation von Endoparasiten bei Fohlen zu erhalten und daraus Behandlungs- und Prophylaxeempfehlungen für Pferdezuchtbetriebe abzuleiten.

Es nahmen 11 Zuchtbetriebe aus Sachsen und 4 aus Thüringen mit insgesamt 103 Fohlen an dem Projekt teil.  Die Fohlen waren in Boxenhaltung mit Weidegang untergebracht und die Probenentnahme fand rektal ab April monatlich bis zum Absetzen durch den PGD statt. Die Laboruntersuchungen zur Bestimmung der Eizahl pro Gramm Kot (EpG) wurden in den jeweiligen Landeslaboren durchgeführt. Die Entwurmung der Fohlen erfolgte entsprechend dem betriebsüblichen System oder anhand der Laborergebnisse (EpG > 200) mit unterschiedlichen Wirkstoffen.

Um die Resistenzsituation der Parasiten im jeweiligen Zuchtbetrieb im Auge zu behalten, wird von Parasitologen dringend empfohlen, die Wirksamkeit der Medikamente ca. alle 3 Jahre anhand von Kotproben zu überprüfen. Gleichzeitig sollte das medikamentöse Behandlungsregime dem Auftreten und Entwicklungszyklus der Würmer angepasst sowie der Weidepflege als zweite wichtige Säule in der Parasitenbekämpfung unbedingt vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Wurmarten, die Fohlen bis zum Absetzen befallen können, umfassen in erster Linie Spulwürmer, Strongyliden, Zwergfadenwürmer und Bandwürmer.

Spulwürmer treten vorrangig bei Fohlen und Jährlingen bis zum Alter von 18 Monaten auf und können durch Entwicklungsstörungen, Koliken bis hin zu Darmverlegungen unnötige Schmerzen, Leiden oder Schäden bei Fohlen sowie massive wirtschaftliche Verluste verursachen. Ältere Pferde sind in der Regel immun gegen Spulwürmer.

 

Wie in Abb. 1 ersichtlich, steigt die Eiausscheidung der Spulwürmer im Mittelwert aller Fohlen ab Juni kontinuierlich an. Das erklärt sich dadurch, dass die Zeit von der Aufnahme der infektiösen Larven durch das Fohlen bis zum Abschluss der Körperwanderung der Larven und deren Entwicklung zu ausgewachsenen, eierproduzierenden Würmern bei Spulwürmern ca. 10 – 15 Wochen dauert. Eine Entwurmung vor Ablauf dieser Zeit ist nicht zielführend, da die wandernden Larven für die Medikamente unerreichbar und die empfindlichen erwachsenen Würmer noch nicht im Dünndarm  sind.

Die Fohlen infizieren sich unmittelbar nach der Geburt mit den Spulwurmlarven, da die larvenhaltigen Eier extrem widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen sind. Die Eier können für 10 Jahre und mehr lebensfähig bleiben! Darüber hinaus besitzen sind sie mit einer klebrigen Eiweißmasse auf der Oberfläche überzogen, so dass sie am Fell oder dem Euter der Mutter oder sogar an Gegenständen bzw. Wänden hängen bleiben. Im Gegensatz zu einer Infektion mit kleinen Strongyliden, können sich die Fohlen mit Spulwurmlarven nicht nur auf der Weide, sondern auch schon im Stall oder in Ausläufen ohne Gras infizieren.

Die Resistenzsituation der Spulwürmer gegenüber Ivermectin war bis auf 3 Betriebe sehr gut. In einem großen Zuchtbetrieb zeigte dieser Wirkstoff so gut wie keine Wirkung mehr und in den beiden kleineren war diese mit 80 % und 87% reduziert. Bei voller Wirksamkeit gegenüber dem Medikament sollten mehr als 90 % der Würmer abgetötet sein. Auch bei der Entwurmung mit Benzimidazolen zeigte sich ein Teil der Spulwürmer in 2 Betrieben mit einer Wirksamkeit von 72% und 84% unempfindlich.

Der Wirkstoff Pyrantel war gegenüber dieser Parasitenart uneingeschränkt wirksam.

Etwas zeitversetzt zu den Spulwürmern stiegen die ausgeschiedenen Eizahlen der kleinen Strongyliden ab August im Fohlenkot an (s. Abb. 2) Diese zeitliche Verzögerung hängt damit zusammen, dass sich die Fohlen mit dieser Parasitenart überwiegend auf der Weide anstecken, da die infektionsfähigen Larven erst bei höheren Temperaturen aus den Eiern schlüpfen.

In einem großen Zuchtbetrieb führte ein massiver Befall der Fohlen mit kleinen Strongyliden im Herbst zu klinischen Erkrankungen mit Fieber, Durchfall und Ödembildung an Unterbauch und Gliedmaßen.

Ivermectin war uneingeschränkt gegen diese Parasitenart wirksam, während Pyrantel in einem Betrieb keine Wirkung mehr zeigte und in einem anderen nur noch zu ca. 40 %.

Auch gegenüber den Benzimidazolen waren Empfindlichkeitsverluste der kleinen Strongyliden in 2 Betrieben erkennbar (68% und 79%).

Ein weiterer Endoparasit, der bei Fohlen Erkrankungen verursachen kann, ist der Zwergfadenwurm. Dieser wird z. T. über die Muttermilch übertragen und spielt somit vor allem in den ersten Lebenswochen eine Rolle. Für diese Parasitenart sind noch keine Resistenzen gegenüber Medikamenten beschrieben worden.

Diese Parasiten kamen allerdings im Rahmen der Untersuchungen nur vereinzelt bei Fohlen vor und spielten keine Rolle in Bezug auf klinische Krankheitserscheinungen, wie z. B. Durchfall.

Bandwürmer wurden in keiner der Kotproben nachgewiesen. Es ist beschrieben, dass Pferde unter einem Jahr durchaus Bandwürmer haben können, da ein vollständiger Entwicklungszyklus vom Ei bis zum ausgewachsenen Wurm 6 – 16 Wochen dauert. Allerdings sind Fohlen nur etwa halb so oft von einer Infektion betroffen wie Pferde älter als ein Jahr.

Aus den Ergebnissen des Projektes kann geschlussfolgert werden, dass es unumgänglich ist, die Parasitensituation und deren Empfindlichkeit gegenüber Entwurmungsmitteln für jeden Betrieb individuell anhand von Kotproben vor und nach der Behandlung zu bewerten. Die Ergebnisse sind insbesondere abhängig von der Häufigkeit der Entwurmungen, der Bestandsdichte, dem Pferdeverkehr sowie der nutzbaren Weidefläche und dem Weidemanagement.

Grundsätzlich sollte nur so viel wie nötig behandelt werden. Fohlen sind nur bei länger anhaltenden Durchfällen in der Fohlenrosse oder danach mit einem Benzimidazol gegen Zwergfadenwürmer zu entwurmen.

In der Regel reicht die erste Behandlung frühestens im Alter von 8 - 9 Wochen mit Pyrantel oder Benzmidazolen (wenn noch ausreichend in dem Bestand wirksam) gegen Spulwürmer aus. Diese sollte dann alle 8 - 9 Wochen (maximal drei Mal bis zum Herbst) unter Beachtung der Resistenzlage wiederholt werden. Anfang Dezember erfolgt eine Behandlung mit Ivermectin oder besser noch Moxidectin gegen die kleinen Strongyliden sowie Dassellarven.

Das genaue Behandlungsschema muss zusammen mit dem Hoftierarzt erstellt werden.

 

Dr. Uwe Hörügel

Pferdegesundheitsdienst

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