Achtung Geflügelpest! - Information vom 20.07.2022

Primärausbrüche auch in den Sommermonaten!


Das massive Geflügelpestgeschehen in Europa und die zahllosen Fälle von verendeten Wildvögeln durch den hochpathogenen Erreger der Vogelgrippe H5/N1 hat sich in den Sommermonaten etwas entspannt. Dennoch sind wir weit entfernt von der erhofften „Sommerpause der Infektionen“, die im letzten Jahr von Juni bis Oktober reichte.  Erstmalig kam es auch in Deutschland zur Ausbreitung des Geflügelpestvirus (HPAI H5/N1) in Brutvogelkolonien an den Küsten, bei denen tausende von Vögeln starben. Nach Abschluss der Brutgeschehens ist wieder mit einer vermehrten Bewegung in den Vogelpopulationen zu rechnen.  An Mauserplätzen kommt es dann zu Ansammlungen verschiedener Entenvögel, die das Virus populationsübergreifend übertragen können. In ihrer aktuellen Risikoeinschätzung zum Auftreten der Vogelgrippe vom 08.07.2022 geht das FLI von einer sehr unterschiedlichen Gefährdungslage aus. So stuft sie diese in Küstenregionen und an Mauserplätzen als hoch ein, während im übrigen Bundesgebiet die Infektionsgefahr als gering eingestuft wird. Diese Einschätzung hat sich mittlerweile bestätigt, denn die jüngsten Ausbrüche der Geflügelpest am 14.07. und 19.07. haben drei größere Gänsehaltungen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen betroffen. Zusammen waren über 30.000 Gänse betroffen.  

Bisher wurden in Deutschland 93 Ausbrüche der Geflügelpest in 14 Bundesländer festgestellt (siehe Tabelle). In den Stadtstaaten Hamburg und Berlin wurden bisher nur verendete und infizierte Wildvögel gefunden. Deutschlandweit mussten bisher über 800.000 Stück Geflügel getötet werden.

Seit den ersten Nachweisen von hochpathogenen Aviären Influenzaviren (HPAI) H5N1 bei einer verendeten Wildente auf Pellworm am 15.10.2021 durch das Friedrich-Loeffler-Institut, wurde das Virus bei 1.471 untersuchten Wildvögeln festgestellt (siehe Grafik). Der erste Ausbruch in einer Geflügelhaltung folgte am 24.10.2021 in Mecklenburg-Vorpommern.

In Frankreich, Ungarn, Italien und Polen kam es zu verheerenden Seuchenzügen. Insgesamt wurden bisher in Europa 1.664 Ausbrüche der Vogelgrippe in Geflügelbeständen festgestellt, 1.320 davon alleine in Frankreich. Das Friedrich-Loeffler-Institut befürchtet, dass das Virus der Geflügelpest sich dauerhaft in den Wildvogelpopulationen Europas halten könnte und man dann von einer ganzjährigen Infektionsgefahr für Wildvögel, Geflügel und Säugetiere ausgehen muss. Die Risikobewertung zur Einschleppung und Auftreten von HPAI können Sie ausführlich auf der Internetseite des FLI unter www.fli.de lesen.

 

Die Situation mit einer Vielzahl von HPAI H5N1 Nachweisen in Wildvögeln und die Geflügelpestfälle in fast allen Bundesländern machen deutlich, dass ein, je nach Jahreszeit, wiederkehrendes hohes Gefährdungspotential für alle Arten der Geflügelhaltung besteht. Es ist davon auszugehen, dass Geflügelbestände, die in der Nähe von Sammel- und Rastplätzen von Wildvögeln liegen oder sich an einem größeren Binnensee oder Fließgewässer befinden, besonders gefährdet sind. Die zuständigen Veterinärbehörden haben risikobasierte Maßnahmepläne erstellt. Bei steigendem Infektionsrisiko sollten sich Geflügelhalter bei ihren zuständigen Behörden über notwendige Maßnahmen informieren und ob für ihre Tiere eine Aufstallungspflicht besteht.  

Hier noch einmal Informationen, die dazu dienen sollen, die eigene Haltungshygiene und die seuchenhygienische Abschirmung zu überprüfen und vorhandene Defizite zu erkennen und zu beseitigen.


Bundesland Ausbrüche  verendete und getötete Tiere  
    Hühner Masthähnchen Puten Enten Gänse Sonstige  Summen
Baden-Württemberg 2 0 0 0 0 22 14 36
Bayern 7 383 0 0 14 14 41 452
Berlin 0 0 0 0 0 0 0 0
Brandenburg 6 97 2 32.888 145 75 2 33.215
Bremen 1 0 0 0 0 0 1 1
Hamburg 0 0 0 0 0 0 0 0
Hessen 1 0 0 0 0 0 6 6
Mecklenburg-Vorpommern 12 184 0 57.069 98 20 30 57.401
Niedersachsen 33 131.228 94.858 235.095 38.673 17.889 7 517.750
Nordrhein-Westfalen 13 89.109 745 34.822 10.596 335 656 136.263
Rheinland-Pfalz 1 8 0 0 0 0 0 8
Saarland 1 0 0 0 0 0 10 10
Sachsen 2 9 0 0 0 0 0 9
Sachsen-Anhalt 2 55 0 31.673 0 0 0 31.728
Schleswig-Holstein 10 35 5.514 0 17 23.285 5 28.856
Thüringen 2 74 0 9 116 2.422 0 2.621
Summen 93 221.182 101.119 391.556 49.659 44.062 772 808.350

 

Sachstand vom 20.07.2022


Hier noch einmal Informationen, die dazu dienen sollen, die eigene Haltungshygiene und die seuchenhygienische Abschirmung zu überprüfen und vorhandene Defizite zu erkennen und zu beseitigen.


1. Stallumgebung:

Eine gute Hygiene beginnt bereits im Umfeld des Stalles. Die Umgebung der Ställe sollte aufgeräumt sein und nicht als Lagerplatz dienen. Dort abgelagerte Materialien, wie Holz und Baustoffe, aber auch dichter Bewuchs mit Gestrüpp machen das Gebiet um die Ställe für Schadnager attraktiv und dienen ihnen als Deckung und Nistplatz. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Schadnager einen Zugang in den Stall verschaffen und somit auch Krankheitserreger eintragen können.                                                                

Befestigte Bereiche (Betonplatten) vor den Eingängen ermöglichen eine wirkungsvolle Reinigung und Desinfektion, so dass weniger Dreck in die Ställe geschleppt wird. Ställe sind verschlossen zu halten, um das Eindringen von Unbefugten zu verhindern.


2. Stallvorraum:

Falls ein Vorraum vorhanden ist, sollte dieser als „Hygieneschleuse“ dienen und nur Gegenstände enthalten, die für die Betreuung des Stalles nötig sind.

Der Vorraum sollte unterteilt werden, um eine deutliche Trennung zwischen dem Schwarzbereich zu erreichen, der mit Straßenschuhen betreten werden kann und dem Weißbereich, der nur mit Stallschuhen betreten werden darf (z. B. Abtrennung einer Fläche vor der Stalltür durch einen Rahmen, in dem die Stallschuhe stehen). Für den Aufenthalt im Stall sollte auch stalleigene Kleidung verwendet werden. Falls im Stallgebäude ein Handwaschbecken vorhanden ist, sollte dieses auch genutzt werden. Immer daran denken, vor dem Betreten und nach dem Verlassen des Stalles die Hände mit Seife waschen. Sollte die Bedrohung durch die Geflügelpest steigen, empfiehlt es sich, eine Desinfektionswanne am Eingang aufzustellen. Sie sollte so platziert werden, dass sie nicht übersehen werden kann. Diese ist bei Verschmutzung zu reinigen und mit einem geeigneten Desinfektionsmittel (Venno Vet super, Wofasteril usw.) in wirksamer Konzentration neu zu befüllen. Nur saubere Desinfektionswannen sind funktionstüchtig!


3. Personalhygiene:

Um die Gefahr des Viruseintrags durch Personen zu minimieren, ist unbefugten Personen der Zugang zu den Ställen zu verwehren und kann durch Schilder „Wertvoller Tierbestand - Unbefugten Personen ist der Eintritt verboten“ gekennzeichnet werden.

In jedem Bereich sind stalleigene Schutzkleidung und Schuhe zu tragen (siehe Hygieneschleuse). Bei der Haltung verschiedener Tierarten, wie zum Beispiel Legehennen, Enten usw., ist - wenn möglich- auf eine strikte Trennung der betreuenden Personen je Tierart zu achten. Bitte auch die Familienmitglieder über die Bedeutung der Maßnahmen informieren. Personalhygiene gilt für alle! Betriebsfremde Personen,

die den Stall betreten müssen, wie zum Beispiel der betreuende Tierarzt, haben Schutzkleidung anzulegen und sich in eine Besucherliste einzutragen.


4. Schadnagerbekämpfung:

Schadnager stellen ein hohes Risiko für die Verschleppung verschiedener Krankheitserreger dar.

Alle Öffnungen und Ritzen, durch die Mäuse in den Stall eindringen können, sind zu verschließen und Rückzugsgebiete auf dem Betriebsgelände (siehe Stallumgebung) zu beseitigen.

Die Schadnagerbekämpfung ist konsequent durchzuführen und sollte bei Bedarf einem Spezialisten übertragen werden. Zu einer professionellen Schadnagerbekämpfung gehört eine ausreichende Anzahl von Köderboxen und deren regelmäßige Kontrolle. Zur Übersicht sollten die Kontrollen und die Bekämpfung dokumentiert werden. Zu beachten ist auch, dass Mäuse den Raum dreidimensional nutzen. Deshalb ist es sinnvoll, Köder auch auf Balken oder Simsen an den Wänden auszubringen. Eine Rattenbekämpfung sollte mit den angrenzenden Tierhaltern abgesprochen werden, da Ratten im Gegensatz zu Mäusen zwischen den Haltungen wandern. 


5. Tränk- und Futterhygiene:

Futter ist so zu lagern, dass eine Kontamination durch Wildvögel oder Schadnager ausgeschlossen werden kann. Wird Futter lose oder in Futtersäcken gelagert, ist es in einer geschlossenen Kammer aufzubewahren. Verstreute Futterreste auf dem Gelände sind zu vermeiden, damit keine Wildvögel angelockt werden.


6. Ausläufe:

Bei der Freilandhaltung besteht durch den Auslauf, in dem sich auch Wildvögel und andere Tiere aufhalten können, ein besonderes Gefährdungspotenzial. In Ausläufen darf kein Futter angeboten werden, damit keine Wildvögel angelockt werden. Vertiefungen, in denen sich Oberflächenwasser sammeln kann, müssen aufgefüllt werden. Falls keine separaten Auslaufluken vorhanden sind und die Tiere nur durch geöffnete Türen in den Auslauf können, sind diese durch Planen bis auf 40 Zentimeter über dem Boden abzuhängen, um das Einfliegen von Wildvögeln in den Stall zu vermeiden. Sollte eine Aufstallungspflicht erlassen werden, muss man sich an den Vorgaben des Erlasses orientieren. Die Volieren sind abzudecken, damit es keine Kontamination durch herabfallenden Vogelkot geben kann. Der Zaun muss vogeldicht sein.


7. Sonstige Hygienemaßnahmen:

Tote Tiere sind sofort zu entsorgen, so dass kein Raubwild die Tierkadaver verschleppen kann.

Das Einstreumaterial muss so gelagert werden, dass keine Kontamination durch Wildvögel, Schadnager oder Haustiere erfolgt.


8. Maßnahmen bei erhöhten Verlusten (Geflügelpestverordnung):

   Treten innerhalb von 24 Stunden in einem Geflügelbestand Verluste von 

  1. mindestens drei Tieren bei einem Bestandsgröße von bis zu 100 Tieren oder
  2. mehr als 2 % der Tiere des Bestandes bei einer Bestandsgröße von mehr als 100 Tieren

auf oder kommt es zu einer erheblichen Veränderung der Legeleistung oder der Gewichtszunahme, so hat der Tierhalter unverzüglich das Veterinäramt zu informieren und durch einen Tierarzt das Vorliegen einer Infektion mit einem hoch- oder niedrigpathogenen AI Virus ausschließen zu lassen.

Treten bei Beständen mit Enten und Gänsen über einen Zeitraum von mehr als 4 Tagen

  1. Verluste von mehr als der dreifach üblichen Sterblichkeit der Tiere des Bestandes oder
  2. eine Abnahme der üblichen Gewichtszunahme oder Legeleistung von mehr als 5 % ein,

so hat der Tierhalter unverzüglich das Veterinäramt zu informieren und durch einen Tierarzt das Vorliegen einer Infektion mit einem hoch- oder niedrigpathogenen AI Virus ausschließen zu lassen.


Aktuelle Informationen zur Aviären Influenza (Geflügelpest) sind unter diesen Links zu finden

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