Startseite Fischgesundheit Von Fischern und Anglern entdeckt…Geschwürbildung beim Karpfen

Von Fischern und Anglern entdeckt…Geschwürbildung beim Karpfen

Wenn die Satzkarpfen in den Teichwirtschaften und die Zierkarpfen aus der Winterruhe kommen oder die ersten Karpfenfänge an der Angel angelandet sind, offenbaren sich oftmals Veränderungen an der äußeren Schleimhaut der Fische wie in Abbildung 1 erkennbar.

In der Regel handelt es sich um kreisrunde fingernagel- bis münzgroße runde Flecken, die in der Mitte einen käsigen (nekrotischen) Herd aufweisen, von milchig weißem Gewebe umgeben sind und von einem aufgeworfenen blutroten Rand abgeschlossen werden. Die Geschwüre finden sich gern am Seitenlinienorgan, hinter dem Kopf oder als Folge von Vogelhieben im Rücken- oder Schwanzflossenbereich. Wirtschaftliche Folgen haben die Veränderungen vor allem dann, wenn sie bei Speisekarpfen auftreten, die für das Frühjahrsgeschäft zurückgehalten wurden oder bei Satzkarpfen, die  mit relativ hohen Besatzdichten in der Winterung gestanden haben und nun verkauft werden sollen.

Die Erkrankung, die als Erythrodermatitis (ED) des Karpfen oder Carp Erythrodermatidis (CE) bezeichnet wird, wurde früher unter dem Begriff „infektiöse Bauchwassersucht“ zusammengefasst. Die heutige Bezeichnung ist jedoch eindeutiger, denn eine Bauchwassersucht haben die Karpfen zunächst nicht. Diese muss sich auch gar nicht ausbilden. In der älteren Literatur wird beschrieben, dass die Erkrankung zum Ende des Sommers auftritt, viel häufiger wird sie vom Fischgesundheitsdienst jedoch im Frühjahr beobachtet. Außerdem sind Spiegelkarpfen von den Geschwüren öfter betroffen als Schuppenkarpfen. Grund dafür ist die durch die Schuppen besser geschützte Schleimhaut der Schuppenkarpfen, auch scheinen Schuppenkarpfen von robusterer Gesundheit zu sein als Spiegelkarpfen. Doch Vorsicht, diese Aussage lässt sich statistisch nicht so einfach untermauern. Auch bei den beschuppten Zierkarpfen kann man das nicht nachvollziehen. Die Erythrodermatitis (ED) des Karpfens wird wegen der Geschwürbildung auch gern als „Karpfenfurunkulose“ bezeichnet. Ursache der Erkrankung ist in der Regel Aeromonas hydrophila ssp. hydrophila oder die nahe verwandten Bakterien A. sobria und A. eucrenophila gern auch in Gesellschaft mit anderen fakultativ pathogenen Bakterien. Wenn jedoch A. hydrophila ssp. hydrophila als alleiniger Keim hochgradig  nachgewiesen wird, wird die Erkrankung von den Fachspezialisten als kritisch angesehen. Die von den Bakterien gebildeten Endotoxine werden für die Geschwürbildung verantwortlich gemacht. Prognostisch ist die Erkrankung dann ungünstig zu beurteilen, wenn mehrere oder auch größere Geschwüre bei den Karpfen beobachtet werden und die Endotoxine verstärkt in die Blutbahn gelangen. Durch das typische Krankheitsbild ist die Diagnose einfach zu stellen. Erregernachweis erfolgt durch Tupferproben (Abb. 2), die dann auf Nährböden ausgestrichen werden. Damit kann auch ein Antibiogramm erstellt werden. Der Erreger wird u.a. durch Karpfenläuse übertragen, deren Bisswunden eine hervorragende Eintrittspforte für die Keime bilden, aber auch Verletzungen der Schleimhaut durch Handling oder Schwächung der Fische bei ungünstigen Haltungsbedingungen wie in der dichtgedrängten Winterung führen zum Ausbreiten der Erkrankung. Einzeltiere erkranken auch in der Erwärmungsphase im Frühjahr. In der Regel sind die Erkrankungsrate und die Verluste nicht hoch. Erkrankte Fische sind jedoch unverkäuflich. Wenn die Haltungsbedingungen optimal sind, gibt es eine gute Selbstheilungstendenz.  Die verschlossenen Geschwüre bleiben dann als dunkle Narben zurück. Betroffene Fische können jedoch immer wieder erkranken. Sind sehr viele Fische eines Bestandes erkrankt und treten die Geschwüre in den Sommermonaten auf, muss durch verschiedene Maßnahmen die Teichhygiene verbessert und der Fischbestand medikamentell über das Futter versorgt werden.  Betroffene Fischbestände sollten unter keinen Umständen mit anderen Beständen überwintert werden, da sich der Erreger sonst ungehindert bei geschwächten Fischen ausbreiten kann.

Dr. Grit Bräuer