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Veranstaltungsnachlese „Treffpunkt Schweinegesundheit“ im Rittergut Limbach am 17.09.2014 - Vorträge zum Download

Fast 100 Tierhalter und Tierärzte besuchten am 17.9.2014 anlässlich des zum 3. Mal von der Sächsischen Tierseuchenkasse veranstalteten „Treffpunkt Schweinegesundheit“ das Rittergut in Limbach.

 

Herr Dr. Andreas Spieler (Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH) sprach im ersten Vortrag über die Möglichkeiten, den Verdauungstrakt von Schweinen durch gezielte Maßnahmen zu stabilisieren. Eckpunkte des Vortrages waren: der Zusammenhang von hohen Leistungen und einer stabilen Magen-Darm-Flora, wobei Dr. Spieler besonders die Bedeutung des Darms als Abwehrorgan hervorhob. Außerdem erklärte er die Wirkmechanismen pathogener Mikroorganismen am Beispiel von E. coli und die Möglichkeiten der fütterungstechnischen Beeinflussung. Abschließend ging Dr. Spieler auf Futterzusatzstoffe ein und erläuterte deren Einsatzmöglichkeiten.

In einem Fallbericht zeigte Herr TA Oliver Katzschke sehr detailliert auf, wie es in einer großen Sauenzuchtanlage und den angeschlossenen Mastanlagen gelungen ist, die Salmonellenprävalenz entscheidend zu senken. Der Betrieb befand sich anfangs in QS-Kategorie 3 mit teilweise sehr hohen Fleischsaft-OD-Werten. Über die Entnahme von Sockentupfern und die Erstellung von Bestandsprofilen konnten die Eintrags- und Verbreitungswege der Salmonellen eingegrenzt werden. Es zeigte sich, dass die regelmäßig zugekauften Jungsauen entscheidenden Anteil am Salmonelleneintrag in den Betrieb hatten. Da das jedoch nicht geändert werden konnte, war es Ziel, die Verbreitung der Salmonellen im Betrieb einzudämmen und v.a. im Flatdeck die Salmonellenprävalenz zu senken, um den Infektionsdruck für die Mast gering zu halten. Aus diesem Grund wurden besonders die Läufer engmaschig mittels Blutproben auf ELISA-Salmonellen-Antikörper (Ak) untersucht. An strategisch wichtigen Punkten wurden Stiefelwäschen  und vor jedes Stallabteil ausreichend große Desinfektionswannen aufgestellt. Ein Kleidungswechsel zwischen Abferkelung und Flatdeck wurde eingeführt. Inzwischen befindet sich der Betrieb in QS-Kategorie 2 mit eindeutiger Tendenz zur Kategorie 1.

Herr Katzschke wies ausdrücklich darauf hin, dass die Verwendung eines Reinigungsmittels mit fettlösender Wirkung und ganz besonders die heiße Reinigung der Stallabteile und Verbinder entscheidend zum Erfolg der Salmonellenbekämpfung beigetragen haben.

Die anschließende Pause wurde zum Erfahrungsaustausch bei einem Imbiss genutzt.

In den Jahren 2011 bis 2013 wurden alle über das Abortprogramm der Sächsischen Tierseuchenkasse eingesandten Blutproben mittels MAT (Mikroagglutinationstest) auf Ak gegen Leptospira pomona, tarassovi und bratislava untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen stellte Frau TÄ Daniela Haser, Mitarbeiterin des SGD nach der Pause vor. Die Ergebnisse zeigten, dass der MAT bei der Diagnostik eines akuten Abortgeschehens, wie v.a. durch L. pomona (und auch L. tarassovi) verursacht, nach wie vor die Methode der Wahl darstellt, da die sächsischen Betriebe in aller Regel nicht durchseucht sind. Bei der Diagnostik von L. bratislava stößt der Test jedoch an seine Grenzen, bzw. sind die Ergebnisse nicht interpretierbar. Es zeigte sich, dass die Titer immer zwischen 1:100 und 1:200 lagen: sowohl in Routineuntersuchungen ohne klinische Erkrankungen als auch bei Abortgeschehen, wenn nur L. bratislava-Ak nachgewiesen wurden. Da das Abortprogramm jedoch darauf abzielt, den Betrieben und Tierärzten bei der Suche nach den Abortursachenzu helfen, werden seit Januar 2014 alle über das Abortprogramm eingesandten Feten und totgeborenen Ferkel mittels PCR auf Leptospiren untersucht. Die PCR erbringt zwar keine Aussage über das ursächlich beteiligte Leptospiren-Serovar, aber bei einem Nachweis ist davon auszugehen, dass es sich um einen Leptospiren bedingten Abort gehandelt hat und entsprechende Bekämpfungsschritte im Betrieb  eingeleitet werden können.

Weiterhin war interessant, dass in Betrieben mit eindeutigem Abortgeschehen, in denen sowohl L. pomona-Ak als auch L. bratislava-Ak gefunden wurden, die MAT-Titer von L. bratislava teilweise stark erhöht waren, aber nicht die Titer von L. pomona überschritten. Als ursächliches abortauslösendes Agens konnte in allen Fällen L. pomona identifiziert werden. Ob es sich hierbei um eine Doppelinfektion der Tiere handelte oder eine L. bratislava Infektion bereits bestand und der Erreger aktiviert wurde und nur „mitreagierte“, ist bisher nicht geklärt.

Den seit März 2014 gültigen Leitfaden zur oralen Anwendung von Tierarzneimitteln im Nutztierbereich über das Futter und das Wasser stellte Frau Dr. Vergara vor. Dieser Leitfaden richtet sich an Tierärzte und Tierhalter. Erstere sind laut §12 TÄHAV dazu verpflichtet, sich zu vergewissern, dass der Tierhalter über geeignete Möglichkeiten verfügt, das verordnete Medikament ordnungsgemäß anzuwenden. Der Leitfaden soll u. a. Hilfestellung dazu geben.

Im abschließenden Vortrag stellte Herr Ing. Dieter Jürgens (VitaVis GmbH) Möglichkeiten der Applikation von Medikamenten über Futter und Wasser vor und ging auf die jeweiligen Vor- und Nachteile bzw. nötigen technischen Voraussetzungen ein. Herr Jürgens verdeutlichte die Notwendigkeit, bestimmte hygienische Grundsätze einzuhalten und zeigte kritische Kontrollpunkte auf. Die mit dem Endoskop aufgenommenen Bilder von Biofilmen in Wasserleitungssystemen zeigten eindrücklich, wie wichtig es ist, Wasserleitungen regelmäßig und gründlich zu reinigen.

Untersuchungsergebnisse wie verschiedene Antibiotika durch Wasserhygieneprodukte inaktiviert werden, bildeten den Abschluss des Vortrages.

Mit der Möglichkeit zur Diskussion bei einem Imbiss ging die Veranstaltung zu Ende. Der SGD der Sächsischen Tierseuchenkasse bedankt sich bei allen Teilnehmern für das Interesse und die Diskussionsbeiträge und hofft, zum nächsten Treffpunkt Schweinegesundheit im September 2015 wieder so viele interessierte Tierhalter und Tierärzte begrüßen zu dürfen.

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Leitfaden des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur oralen Anwendung von Tierarzneimitteln (2.91 MB)

Frau Dr. Helga Vergara, SGD

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Möglichkeiten zur Stabilisierung des Verdauungstraktes beim Schwein durch gezielte Fütterungsmaßnahmen (5.42 MB)

Herr Dr. Andreas Spieler – Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH

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Senkung der Salmonellenprävalenz in Schweinezucht & Schweinemast (720.83 kB)

Herr TA Oliver Katzschke, praktizierender Tierarzt

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Futter- und Wasserapplikation von Medikamenten (6.81 MB)

Herr Dieter Jürgens - VitaVis GmbH

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Auswertung der Untersuchungen auf Leptospiren-Antikörper in den Jahren 2011-2013 in Sachsen (1.68 MB)

Frau TÄ Daniela Haser, SGD